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Portraits

Madame Adjara Soulemane

Madame Soulemane ist 62 Jahre alt und kümmert sich um ihre vier Enkel, die Kinder ihres verstorbenen Sohnes. über einen jungen Mann in ihrer Nachbarschaft hat sie von URBIS Foundation, den Frauengruppen und den Mikrokrediten gehört. Seit fünf Jahren erhält sie nun jährlich ein zinsloses Darlehen von 200.000 Francs CFA, was knapp 300 Euro entspricht. Damit konnte sie unabhängiger werden von Zwischenhändlern, bei denen sie einst private Kredite aufnehmen musste, um Waren einzukaufen. Heute kann sie mit ihrem Angebot einen ganzen Tisch auf dem Markt von Komah in Sokodé schmücken. Zu ihrem Angebot gehören geschälte Kalebassenkernen, getrocknetes Gombo, scharfe Paprika, afrikanischer Senf, rote Hirse sowie diverse Gewürze in kleinen Plastiktütchen.

Madame Soulemane erzählt, dass sich mit der Mitgliedschaft bei der Frauengruppe von URBIS Foundation in ihrem Leben viel verändert hat. Während des Gesprächs wiederholt sie immer wieder, wie dankbar sie der Stiftung ist. Ihr Einkommen ermöglicht ihr heute, die Enkel finanziell zu unterstützen und ihnen zu einer guten Bildung zu verhelfen. Ihr ältester Enkel studiert in Lomé im sechsten Semester Geografie, die drei jüngeren Enkel wohnen bei Madame Soulemane und gehen in Sokodé zur Schule. Madame Soulemane hofft, dass sich die Investition in die Bildung der Enkel lohnt und sie sich bald in Ruhestand setzen kann.


Madame Assietou Adam

Madame Adam ist gleich in zweierlei Hinsicht mit URBIS Foundation verbunden: Einerseits erhält sie seit vier Jahren einen Mikrokredit, andererseits kauft das CPIA, die Farm der Stiftung, bei ihr den Mais für die Hühner ein.

Die 49-jährige Mutter von sechs Kindern hat auf dem Markt von Komah in Sokodé mehrere Stützpunkte: An einem überdachten Stand mitten im Marktgetümmel verkauft sie Mais, Kalebassenkernen, Bohnen, Soja und Hirse. An einem zweiten Stand am Ausgang des Marktes liegen Maiskörner zum Verkauf bereit. Und einmal die Straße überquert, befindet sich ihr Lager: in zwei Räumen in einem Haus hinter der Moschee deponiert sie das Getreide. Ihre Einkaufsmengen sind groß: 100 Säcke pro Woche, wenn man alle Getreidearten zusammenrechnet. Ein Großteil davon ist Mais, den sie auf der Straße nach Lomé oder in der Nachbarstadt Tchamba kauft.

Madame Adam hat über Verbindungen zu Deutschland von den Mikrokrediten erfahren: ihr Bruder lebt in Deutschland und hat sie auf URBIS Foundation hingewiesen. Sie erzählt, dass sich ihr Leben mit den Mikrokrediten wesentlich verbessert habe. Auch wenn sie das Lager schon zuvor besaß, hatte sie damals öfters finanzielle Schwierigkeiten. Vor allem in der Regenzeit, wenn das Getreide teurer werde, brauche man viel Geld. Natürlich kann sie das Getreide in der Regenzeit auch teurer verkaufen, womit sich ihre Einnahmen vergrößern – nicht zuletzt, weil sie die Möglichkeit hat, ihre Lieferungen zwischenzulagern. Madame Adam betreibt ihren Marktstand montags und donnerstags, die übrigen Tage verkauft sie direkt ab Lager. Die Leute kennen sie hier und kommen zu ihrem Lager, wenn sie größere Mengen an Getreide brauchen.

Ihren Marktstand betreibt Madame Adam meist alleine. Wenn sie Unterstützung braucht, kommt ihr ihre „Marktnachbarin“ helfen. Heute sind auch drei ihrer Kinder, alle im Teenie- Alter, da. Während der Schulferien und in der Freizeit gehen sie ihrer Mutter zur Hand: Sie füllen die Schüsseln mit Getreide nach und helfen, die Kundinnen zu bedienen. Es geht laut und hektisch zu und her auf dem Markt, die Kundschaft versucht den Preis zu drücken, Madame Adam delegiert Aufgaben an ihre Töchter und begrüßt immer wieder Bekannte, Verwandte und Freundinnen.

Stolz erzählt Madame Adam von ihrer ältesten Tochter, die in Lomé an der Universität studiert und dort eine Ausbildung zur Handelssekretärin erhält: „Später wird sie in einem Büro arbeiten!“ Ihre jüngeren Geschwister gehen ins College und zur Schule. Madame Adam ist sehr froh darüber, dass sie durch ihre Arbeit ihre Familie ernähren und die Kinder gut ausbilden lassen kann.

Madame Aridja Tchakondo

Madame Aridja Tchakondo (auf dem Bild sitzend) hat in den letzten fünf Jahren ein Straßencafé mit fünf Angestellten aufgebaut. Sie findet erst kaum Zeit für ein Gespräch mit uns, der Ansturm zur Mittagszeit ist groß. Bei Madame Tchakondo gibt es Fufu, den traditionellen togolesischen Brei aus Nyam. Als Fufu „to go“, oder auch zum hier essen, auf den Bänken und Tischchen, die neben der überdachten Küche stehen. Die meisten Leute essen hier, erzählt Madame Tchakondo, aber einige kommen mit dem Auto oder dem Motorrad angefahren und nehmen sich eine Portion mit.

Bevor Madame Tchakondo Mitglied einer Frauengruppe von URBIS Foundation wurde und Mikrokredite erhielt, hat sie in der Stadt Gewürze und andere Kleinigkeiten verkauft, auf einer Platte auf ihrem Kopf. Auf die Frage, ob der Aufbau eines Restaurants mit fünf Angestellten nicht schwierig gewesen wäre, antwortet sie: „Ich liebe meine Arbeit! Ich habe mich so daran gewöhnt, dass ich auch am Sonntag ständig daran denke und am liebsten auch arbeiten würde. Aber ich muss mich ja auch ausruhen.“

Die Mikrokredite bezeichnet Madame Tchakondo als ein Geschenk Gottes für sie und ihre Familie. Ein ehemaliger Nachbar von ihr, der heute in Deutschland lebt, hat ihr URBIS Foundation empfohlen: „Gott hat ihn uns geschickt, wenn er nicht gewesen wäre, wäre ich bestimmt längst in ein anderes Land ausgewandert!“

Heute kann Madame Tchakondo nicht nur ihre fünf Kinder finanziell unterstützen, sie hat auch fünf Arbeitsstellen für andere Frauen geschaffen. Sie zahlt ihnen täglich 500 Francs CFA (knapp einen Euro), zudem können sie sich umsonst verpflegen. Das Geschäft läuft gut, regelmäßig kann die 45-Jährige etwas Geld zur Seite legen, auf das gemeinsame Konto ihrer Frauengruppe.

Der Arbeitstag beginnt für die sechs Frauen früh: Um 6 Uhr stehen alle bereit, um 6 Uhr 30 geht Madame Tchakondo auf den Markt und kauft die Zutaten für Fufu, Reis- und Maisbrei und für die Soßen ein. Währenddessen machen ihre Angestellten Feuer und bereiten die Küche vor. Alle Arbeitsschritte der Zubereitung finden hier vor Ort statt: Der Nyam für das Fufu wird erst gewaschen und geschält, dann in Stücke geschnitten und gekocht. Nun wird es anstrengend: Die weichgekochten Nyamstücke kommen in einen Holzbehälter und werden von zwei Frauen mit langen Stangen gestampft. Unter der Zugabe von einigen Spritzern Wasser entsteht so mit der Zeit ein fester Brei. Auch wenn Madame Tchakondo ihre Arbeit sehr mag, hat sie für ihre Zukunft weitere Pläne: Sie möchte das Fufu-Restaurant weiterführen, bis ihre Kinder fertig studiert haben – ihr Jüngstes ist sechs Jahre alt. Dann, so hofft sie, wird eines Tages eines ihrer Kinder sagen, dass Mama nicht mehr am Feuer sitzen soll. Danach, für ihren „Ruhestand“, möchte sie eine kleine Boutique eröffnen.


Madame Mouraféra Salassi

Madame Salassi erhält seit fünf Jahren einen Mikrokredit von URBIS Foundation. Im Moment wird sie im Geschäft durch ihre Tochter vertreten, da ihr Mann kürzlich verstorben ist. Die muslimische Tradition will es, dass die Frau nach dem Tod ihres Ehemannes vier Monate das Haus nicht verlässt und sich weder schön anzieht noch Ohrenringe trägt. Deshalb ist es die siebzehnjährige Roukéyatou, die wir treffen. Sie besucht die Schule in Sokodé, und eigentlich ist es ihre ältere, bereits verheiratete Schwester, die normalerweise für die Mutter einspringt. Aber da im Moment – Anfangs September – noch Schulferien sind, und da die Schwester krank ist, übernimmt Roukéyatou heute das Geschäft.

Auf etwa acht Quadratmetern, direkt gegenüber dem Zentralmarkt im Zentrum von Sokodé, gibt es bei Madame Salassi Stoffe in allen Farben und Mustern, Kopftücher und Foulards. Stolz zeigt uns Roukéyatou ein besonders schönes Modell, schneeweiß und mit Stickereien und Perlen besetzt. Auch der Preis des Kopftuchs ist stolz, die zwölf Euro kann sich hier längst nicht jede Frau leisten.

Den kleinen Laden hat Madame Salassi vor acht Monaten eröffnet. Vorher trug sie ihre Waren auf dem Kopf durch die Straßen und bot sie so zum Verkauf an. Es versteht sich, dass die Auswahl damals kleiner war, die Arbeit anstrengender und die Einnahmen kleiner. Nun kann sie größere Mengen einkaufen und die Kundschaft in ihrem Geschäft bedienen. Die Stoffe bei ihr sind von bester Qualität, sie präsentiert sie auf Regalen und in Schaukästen. Gut gelaunt zeigt Roukéyatou vor, wie man die Foulards elegant um den Kopf wickeln kann. Und sie erzählt uns von ihren Zukunftsplänen: Nach dem Abitur möchte sie Krankenschwester werden. Ihr Traum könnte wahr werden, dank den Mikrokrediten und dem Geschäft der Mutter, das ihren Kindern den Schulbesuch ermöglicht.